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  • Sarah Blum, Julia Fox

Arbeitsreitweisen Südeuropas

Entwickelt haben sich die verschiedenen Arbeitsreitweisen in Südeuropa, genauer in Südfrankreich, Spanien, Italien und Portugal. Die jeweilige Arbeitsreitweise wird seit Generationen bei der berittenen Arbeit mit Rindern praktiziert.


Die Camargue Reitweise aus Südfrankreich & das Camarguepferd


Ähnlich wie die Vaqueros im Süden Spaniens nutzen auch die französischen Gardians ihre Pferde zum Treiben ihrer Stiere für den französischen Stierkampf (anders als der Rejoneo in Spanien ist dieser jedoch unblutig), sowie das Abrivado. Hierbei werden die wilden schwarzen Stiere der Region durch die Dörfer getrieben. Hilfsmittel der Gardians ist der Trident. - Ein langer Stock mit einem Dreispitz am Ende.



Das Pferd der Wahl ist dabei das Camarguepferd, beheimatet in der gleichnamigen Region im Rhone-Delta. Diese Rasse ist relativ stämmig und kompakt im Körperbau, die Schulterhöhe beträgt hierbei zwischen 135cm und 15ocm. Damit zählt es zu den Kleinpferden. Die Farbe ist ausschliesslich weiss, Fohlen kommen braun oder als Rappen zur Welt und “schimmeln” aus. Durch ihre Umgebung, die aus sumpfigem Gebiet besteht, und ihr halbwildes Aufwachsen, sind Camarguepferde sehr robust und trittsicher. Die Kopfform ähnelt der eines iberischen Pferdes, was die Vermutung nahelegt, dass sich, irgendwann in der Evolutionsgeschichte des Camarguepferdes, spanisches Blut mit eingemischt haben könnte: gerade oder leicht konvexe Nasenlinie, kräftige Ganasche, weit auseinander stehende Ohren, dunkle Augen. Die dunklen Augen sind typisch für Pferderassen, die in heissen Klimazonen leben, um bei Sonnenlicht besser sehen zu können (Pferde der Iberischen Halbinsel, Araber, Berber, ect.). Die genaue genetische Herkunft ist jedoch unbekannt. Allerdings wird auch hier viel Wert auf Reinheit gelegt - es werden keine anderen Rassen eingekreuzt. Das offizielle Zuchtbuch wurde 1990 geschlossen, nachdem sich alle damaligen Züchter mit ihren Pferden dort eintragen konnten. Das führte dazu, dass seither keine weiteren Pferde eingetragen werden dürfen, wenn sie nicht auf bereits eingetragene Pferde zurückzuführen sind (sprich, die Eltern müssen eingetragen worden sein). Das Camarguepferd eignet sich unter anderem fürs Wanderreiten und Freizeitreiten. Übrigens: Camarguepferde können als einzige Pferderasse überhaupt, ihre Nüstern zusammenziehen und damit verhindern, dass ihnen beim Fressen im nassen Marschland der Camargue Wasser in die Nase läuft!


Die Doma Vaquera Reitweise aus Spanien & der PRE, Andalusier & Cruzado

Spanien gilt unter Pferdekennern, neben Portugal, als eines der Pferdeländer schlechthin. Kein Wunder, denn die Spanier sind herausragende Reiter, hegen seit Generationen eine Reittradition, die auch heute noch an die Kleinsten weitergegeben wird.

Der spanische Rinderhirte wird als Vaquero bezeichnet und verwendet als Arbeitsutensil einen langen Holzstab, die Garrocha.

Die Doma Vaquera, so wird die spanische Reittradition bezeichnet: Diese wird immer noch praktiziert und bildet gewissermaßen die Basis für das in den USA vorkommende Westernreiten (altkalifornische Reitweise), sowie die immer populärer werdende Turnierdisziplin der Working Equitation. Und nicht nur die Reitweise hat ihre Fans, sondern auch das spanische Pferd. Im Allgemeinen als Andalusier bezeichnet, gibt es hier jedoch einige Unterschiede.

  • Als Andalusier gelten gemeinhin nur Pferde, die keinen Rassenachweis haben, also nicht im Zuchtbuch eingetragen sind und entsprechend keine Papiere haben.

  • Der Begriff PRE (span. pura raza española für “reine spanische Rasse”) bezeichnet Pferde, die gekört und/oder im Stutbuch eingetragen worden sind und dementsprechend zur Zucht zugelassen wurden, sowie Papiere haben. Die Zucht der PRE´s oblag früher dem spanischen Verteidigungsministerium und liegt heute in den Händen einzelner Züchterfamilien, die sich der Erhaltung des reinen spanischen Pferdes verschrieben haben. Über die ANCCE lässt sich mithilfe des Equidenpasses der Stammbaum deines PREs nachverfolgen

  • Als Cruzados werden Pferde bezeichnet, die sowohl spanisches, als auch portugiesisches Blut in sich tragen

  • Hispano - Araber: Kreuzung aus Andalusier und Arabischem Vollblut

  • Tres Sangres: Kreuzung aus “Dreiblütern”, meist Andalusier, Englisches Vollblut und Arabisches Vollblut und Lusitanos.

Innerhalb der PRE gibt es verschiedene Zuchtlinien mit verschiedenen Ausprägungen. Die ursprüngliche und somit älteste, auf die alle spanischen Pferde zurückgehen, ist der Kartäuser/ Cartujano. Der Kartäuser wurde, im Auftrag des spanischen Königshauses, um 1500 von Kartäuser- Mönchen in Jerez de la Frontera, Andalusien, gezüchtet. Von Adelsfamilien unterstützt, etablierte sich diese Zuchtlinie und neue entstanden, jede mit dem Familiennamen versehen. Diese wiederum verkleinerten sich, jede Zucht hatte ein eigenes Brandzeichen, sodass es heute eine Vielzahl an kleinen Gestüten mit unterschiedlichen Eignungen gibt. Beispielsweise die Yeguada Militar, Yeguada Terry, Yeguada Escalera oder Yeguada Hierro del Bocado, das heutige Staatsgestüt nahe Jerez de la Frontera, um einige der bekanntesten zu nennen. Insbesondere die Yeguada Militar spielt hier eine große Rolle für die Erhaltung des ursprünglichen PRE-Pferdes, denn hier wurden Pferde für das Militär/die Kavallerie des 19.Jahrhunderts gezüchtet, und da diese Zuchtlinie sich seit dem Mittelalter in Kriegen bewährt hatte, wollte man sicherstellen, dass kein “fremdes” Blut eingekreuzt wurde. Auch heute noch ist die Yeguada Militar ein wichtiger Pfeiler, wenn es um die Erhaltung des reinen PREs geht, wenn dessen Nutzen auch nicht mehr militärisch bedingt ist, ebenso wie das Staatsgestüt Hierro del Bocado. Heute befindet sich in Jerez de la Frontera außerdem die Königlich-Andalusische Hofreitschule, die “Real Escuela Andaluza de Arte Ecuestre”. Spanische Pferde, egal ob Andalusier, PRE, Cruzado oder Hispano-Araber, eignen sich hervorragend für das Dressurreiten, die Hohe Schule und die Working Equitation und besonders auch fürs Freizeit,- und Wanderreiten. Da das ursprüngliche Spanische Pferd sehr intelligent, nervenstark und trittsicher ist. Die Farbe des PRE ist meist Schimmel, manchmal Braune, selten auch Sonderfarben wie Cremello oder Falbe, wogegen der Andalusier auch in schwarz, Buckskin/Falbe, selten Fuchsfarben oder gescheckt anzutreffen ist.


Die Equitação à Portuguesa aus Portugal - Der Lusitano & Alter Reál


Die portugiesische Reittradition, die Equitação à Portuguesa, ist ähnlich wie die in Spanien, geprägt durch die Arbeit am Rind und die Stierzucht. Der portugiesische Rinderhirte wird als Campino bezeichnet und verwendet ebenfalls einen langen Holzstab als Arbeitsutensil, den Pampilho.


Das, was in Spanien der PRE ist, ist in Portugal der PSL, der Puro Sangue Lusitano. Auch diese Pferde wurden und werden im Stierkampf eingesetzt, weswegen sie etwas temperamentvoller sind, als ihre spanischen Verwandten. Sie brauchen also erfahrene, sichere Reiter, denn sie hängen sehr an dem, der sich ihrer annimmt und vertragen unterschiedliche Reiter nicht sehr gut. Auch hier wurden im 17. Jahrhundert Pferde fürs Königshaus gezüchtet, mit importierten spanischen Stuten, weshalb sich diese beiden Rassen sehr ähnlich sehen. Die Schulterhöhe ist auch beim Lusitano eher klein, zwischen 150cm und 165cm. Und auch hier gibt es ein Staatsgestüt, das ehemalige königliche Gestüt “Alter”, woraus sich der Name der besonders edlen Unterrasse des Lusitanos, der “Alter Reál”, ableitet. In der Nähe des Dorfes Alter do Chão befindet sich heute das Zentrum der Lusitanozucht in Portugal, inklusive einer seit 1989 bestehenden Hofreitschule, der “Escola Portuguesa de Arte Ecuestre”.

Wie der PRE auch, war der Lusitano kurzzeitig sogar vom Aussterben bedroht, da das Gestüt 1979 Militärgestüt wurde und somit in eine Krise stürzte. Dank des Privatbesitzes von Dr. Ruy D'Andrade, der 11 Alter-Stuten und 3 Hengste besass, konnte die Zucht fortgeführt werden. Auch der Lusitano eignet sich bestens für Dressur, Hohe Schule, sowie Working Equitation. Auch der ein oder andere Wanderreiter ist mit einem Lusitano anzutreffen.


Das Westernreiten in den USA: Quarterhorse


Das Bild des Kühe treibenden Cowboys, der nach getaner Arbeit in den Sonnenuntergang reitet, steht als eines der Sinnbilder für die USA und amerikanische Kultur. Nicht umsonst findet es sich in vielen verschiedenen Werbekampagnen wieder. Der Stil der Cowboys ist allerdings nicht “made in USA”, sondern eher “made in Europe”. Denn: Das, was wir heute unter “Westernreiten” verstehen, fing eigentlich weit weg von Amerika an. Nämlich da, wo wir uns gerade befunden haben; auf der Iberischen Halbinsel.

Nicht zuletzt dank Christopher Kolumbus und den spanischen Conquistadores kamen Pferde überhaupt in die Neue Welt, war die Entdeckung und Eroberung Amerikas überhaupt möglich. Angefangen mit Kolumbus, der 1492 als erster Europäer einen Fuss auf den amerikanischen Kontinent setzte, und dabei glaubte, Indien entdeckt zu haben (daher haben die “Indianer” ihren Namen), über Hernán Cortes, ein Conquistador, der das heutige Mexiko eroberte, Francisco Pizarro, der 1572 Neuspanien für Spanien eroberte, bis hin zum florentinischen Entdecker Amerigo Vespucci, der zeitgleich mit Kolumbus´Reisen herausfand, dass Amerika ein komplett neuer Kontinent war; all das wäre ohne Pferde nicht möglich gewesen. Kolumbus selbst sollte bis zu seinem Tod 1504 übrigens nie erfahren, wie bahnbrechend seine Entdeckung war: Er starb in dem Glauben, Indien entdeckt zu haben. Das Amerika, wie wir es heute kennen, gäbe es ohne die spanischen Eroberer und ihre Pferde nicht. Und sie brachten nicht nur ihre Pferde mit in die Neue Welt, sondern auch ihren Reitstil. Um die von Missionaren des Franziskanerordens gegründeten Farmen zu bestellen, bildeten die Spanier die Ureinwohner zu Reitern aus. Dabei griffen sie unter anderem auf die ihnen vertraute, europäische Reitkunst zurück, denn die Missionare waren meist Zweitgeborene spanischer Adelsfamilien und hatten entsprechende Erziehung genossen. Mit Stangen und Lassos verteidigten die Vaqueros genannten Hirten ihre Rinder gegen Wildtiere. Daraus entwickelte sich Ende 1770 über 50 Jahre hinweg das, was man heute altkalifornische Reitweise nennt. (Krischke, 2015)

Der Reitstil der spanischen Vaqueros legte viel Wert auf Gewichtshilfen, wurde und wird viel mehr über die Hinterhand des Pferdes geritten, während das moderne Westernreiten ähnlich funktioniert, wie das altkalifornische Reiten mit einer gebisslosen Hackamore, bestehend aus Bosal und Mecate. Das Bosal ist ein aus Rohhaut bestehender, starrer Nasenreif, der verbunden wird mit einem etwa 7m langen Mähnenhaar-Seil, der Mecate. Durch das Drehen zur Zügelform bekommt das Mähnenhaar piksige “Borsten”, die das Pferd dazu erziehen, die Zügel am Hals wahrzunehmen. Die Zügel der modernen Westernreiterei bestehen zumeist aus schwerem Leder, sodass nur ein minimales Anlegen an den Pferdehals nötig ist, um dem Pferd Anweisungen zu geben (Krischke, 2015). In den folgenden Jahrhunderten siedelten sich, abgesehen von den Spaniern, andere Kolonisten aus Europa im Zentrum Nordamerikas an, es entstanden die ersten Ranches. Auch hier benötigte man Rinderhirten, die man, wie einen gewöhnlichen Sklaven, “Boy” rief. Oder in diesem Falle “Cowboy”. Diese Männer waren entweder freie oder unfreie aus den untersten Schichten der Gesellschaft stammende Menschen, die dringend Arbeit benötigten, oder bestenfalls aus Irland und England eingewanderte Pferdeknechte. Da ihr Alltag sehr entbehrungsreich und lang war, entwickelten sie einen Reitstil, der nichts mehr mit dem der kalifornischen Vaqueros oder gar der adeligen Reitkultur Europas gemein hatte; er musste funktional, minimal und effizient sein: das texanische Reiten entstand. (Texanisch deshalb, weil sich die spanische und einheimische Reiterei in Texas zum ersten Mal begegneten). Ende 1790 fanden in den Städten erstmals Pferderennen statt, die über eine Viertelmeile liefen; dafür züchtete man spezielle Pferde, die auf genau dieser Strecke zu Höchstleistungen fähig waren: Das Viertelmeilenpferd, oder auch: das Quarterhorse. (Krischke, 2015). Durch die Industrialisierung fanden Pferde nur noch bei der Rancharbeit Verwendung und das Quarterhorse wurde zum treuen Begleiter des Cowboys. Nach den beiden Weltkriegen keimte die Idee auf, Wettkämpfe stattfinden zu lassen; Lasso-Disziplinen, Rinderarbeit und Geschicklichkeits-Turniere kamen auf. Anfangs noch sehr am kalifornischen Vaquero-Stil orientiert, setzte sich der funktionale, texanische Stil im Laufe der Jahrhunderte jedoch durch: das moderne Westernreiten war geboren. Die meisten der heutigen Disziplinen im Westernsport haben sich allerdings von jeglicher praktischer Anwendbarkeit abgetrennt und leider finden sich hier mittlerweile, genauso wie im FEI-Sport, allerlei Übertreibungen wieder. Beispiele hierfür sind viel zu frühes Anreiten, Ausbinder, Schlaufzügel, extrem scharfe Gebisse oder Doping. (Krischke, 2015)


Vaquero vs. Cowboy - Das ist doch das Gleiche, oder?

Nicht ganz. Schaut man sich einen Vaquero und einen Cowboy nebeneinander an, sieht man, auf den ersten Blick, keinen großen Unterschied. Abgesehen von der Ausstattung sieht das Reiten ja irgendwie gleich aus. Beide treiben Kühe von A nach B, öffnen und schließen Tore, hüpfen vielleicht mal über ein im Weg liegendes Hindernis. Es sind also beides Reitweisen aus der Gebrauchsreiterei, die für die Arbeit mit wild lebenden Rindern entwickelt wurde. Beide reiten also meistens einhändig (die andere Hand wurde zum Nutzen des Lassos/der Garrocha und/oder zum Öffnen von Toren gebraucht) und entsprechend sind die Mechanismen sehr ähnlich: schnelle Spurts, Stops und abrupte Wendungen mit starker Untersetzung der Hinterhand (Millan-Ruíz, 2015). Aber der Teufel liegt ja bekanntlich im Detail: Wo der Sitz des Vaquero eher aufrecht ist, ähnlich dem klassischen Dressursitz, sitzt der Cowboy leicht rücklastig im Stuhlsitz. Der Vaquero nutzt beide Schenkel zum Treiben und Einrahmen der Hilfe, der Cowboy einen Schenkel (sendend & empfangend). Die Hilfen erfolgen beim Vaquero vermehrt über die Zügel mit Anlehnung, ähnlich dem Dressurreiten, beim Cowboy vermehrt über den Sitz mit losem Zügel. Das rührt daher, dass der Stuhlsitz den Cowboy vermehrt auf die Sitzbeinhöcker setzt und ein zusätzliches Nutzen der Zügel erforderlich macht (Millan-Ruíz, 2015). Die Rinderarten, die Vaquero und Cowboy hüten, unterscheiden sich zudem: Während das amerikanische Rind flieht und durch schnelles Hin- und Herwenden des Pferdes (Cutting) am Ausbrechen gehindert werden kann, greifen die spanischen Rinder Pferd und Reiter direkt an, was eine verfeinerte Reitweise des Vaquero nötig macht, um sich und sein Pferd mittels Pirouetten, Seitengängen oder schnellen Wendungen um die Hinterhand in Sicherheit zu bringen. Die Steuerung erfolgt hierbei beim Vaquero vermehrt über Kruppe und Hinterhand, beim Cowboy über die Schulter des Pferdes. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Ausführung des Vaquero weniger dynamisch und eleganter vonstatten geht, da die Einwirkung vermehrt über den Zügel kommt und das Vaqueropferd mehr mit der Hand gesteuert wird. So werden Stops aus dem Sprintgalopp beispielsweise mit starker Handeinwirkung durchgeführt, sodass Vaqueropferde zwar mit stark untersetzter, rutschender Hinterhand stoppen, der Hals jedoch hoch aufgerichtet und die Beine durchgestreckt sind; es stoppt dabei durch mehrmaliges “Aufprellen”. Sliding stops der Westernpferde werden dagegen (idealerweise) mit losem Zügel und nach vorn gedehntem Hals geritten, während die Vorderbeine weiterlaufen und die Hinterhand mitrutscht (Millan-Ruíz, 2015).

Das Quarterhorse fällt auch eher unter die kleineren Pferderassen und hat eine Schulterhöhe von 145cm-160cm. Die Farbpalette reicht über klassische Füchse, Rappen, Braune und Schimmel bis hin zu “Sonderfarben” wie Cremello, Smoky Black, Champagne, Pearl oder Windfarben, sowie allen möglichen Kombinationen. Die letzten sind allerdings keine offiziell von der American Quarterhorse Association anerkannten Fellfarben.


Argentinien & Criollo


Der Reitstil der argentinischen Gauchos ähnelt dem der Vaqueros und Cowboys. Auch sie sind Rinder- und Pferdehirten. Ihre Pferde, die Criollos, lassen sich ebenfalls auf Berber und spanische Pferde zurückverfolgen, die durch die spanischen Eroberer mit nach Südamerika gebracht wurden. Durch die Einkreuzung verschiedener Rassen war auch der Criollo vom Aussterben bedroht, konnte durch Dr. Emilio Solanet, der die Basispferde bei den südamerikanischen Ureinwohnern ausfindig machte, jedoch wiederbelebt werden. In Deutschland gibt es seit 1994 ein Zuchtbuch. Der Criollo gehört mit einem Stockmass von 138-150cm ebenfalls zu den Kleinpferden. Aufgrund seines Lebensraumes in der argentinischen Pampa, ist er sowohl Hitze als auch Kälte gewöhnt und hat extrem harte Hufe, die ein Beschlagen meist überflüssig machen. Ebenso ist er erstaunlich langlebig, sowie ausdauernd und leichtfuttrig (die Ausdauer wird sogar bei der sogenannten “Marcha” getestet. Dabei muss ein Criollo mit seinem Reiter eine Strecke von 750km innerhalb von 14 Tagen mit einem Tag Pause ohne viel Futter zurücklegen. Nur am Ende des Tages darf etwas Gras gefressen werden, Kraftfutter gibt es keines) Da Criollos einerseits sehr genügsam, aber auch mutig sind, und den “Cow-sense” haben, werden sie sowohl als Ranchpferde, als auch im Freizeitbereich, als hervorragende Wanderreitpferde und im Distanzreiten genutzt. Er kommt in allen Fellfarben, als Schecke und Falbe vor.


Der Schweizer Lehrer und Abenteurer Aimé Tschiffely ritt 1925 von Buenos Aires nach Washington DC. Mit seinen zwei Criollo Pferden, Mancha und Gato.


Italien & Murgese

Auch Italien hat seine Reittradition, die sich mit denen der Spanier und Franzosen deckt. In der Region Apulien, nahe dem Ort Murgia, wird der Murgese gezüchtet, eine der ältesten Pferderassen. Er zählt ebenso zu den Barockpferden wie die Iberischen Pferde und gilt als sehr trittsicher. Ausserhalb Italiens ist er eher unbekannt. Die Italiener nutzen sie gern als Polizeipferde, da sie sehr muskulös und kompakt, sowie unerschrocken sind. Der Murgese eignet sich durch seinen barocken Körperbau gut für versammelnde Lektionen, aber auch fürs Freizeitreiten, sowie die Working Equitation. Auch als Showpferd wird er gern eingesetzt. Je nach Geschlecht rangiert die Körpergrösse zwischen 150cm und 168cm Schulterhöhe. Die Farbe ist ausschliesslich schwarz, Mohrenköpfe sind möglich.


Island & das Islandpferd


Bei Arbeitsreitweisen denkt man eigentlich nicht direkt an Island. Aber da es auch in Island einen Pferdeabtrieb aus dem Hochland gibt, nehmen wir die Insel trotzdem in unsere Liste auf. Der sogenannte Víðidalstungurétt findet einmal im Jahr Ende September in Island statt. Die isländischen Züchter lassen ihre Pferde, meist Jungtiere, vom Frühjahr bis zum Sommerende im Hochland frei laufen. Nur ein paar Pferde werden für den Touristenbetrieb und zur Ausbildung zurückbehalten, der Rest lebt sozusagen halbwild auf der Insel. Im Herbstanfang müssen diese deshalb wieder zusammengetrieben werden, was eine mehrtägige Tour bedeutet. Dabei schliessen sich alle Züchter zusammen und eine riesige Herde von 300-400 Pferden wird aus dem Hochland hinab in einen großen Pferch, den Laufskálarétt, getrieben. Dann werden die Pferde am zweiten Tag sortiert, ihren Züchtern zugeordnet. Meistens erkennen sie ihre Pferde, wenn nicht, hilft der Mikrochip. Die Reitweise in Island gehört zu den sogenannten Spezial-Reitweisen, da Isländer neben Schritt, Trab und Galopp auch eine oder sogar zwei weitere Gangarten beherrschen: den Tölt und den Pass, die beide in verschiedenen Tempovariationen geritten werden können (Schritt-Galopptempo). Die Ausrüstung ist allerdings klassisch Englisch, nur die Sattelform ist etwas anders, etwas breiter und tiefer, und das Zaumzeug hat manchmal keinen Nasenriemen. Reiten lassen sich die Islandpferde eigentlich wie jedes andere Pferd auch. Nur der Tölt und der Pass brauchen etwas Übung, wenn man noch nie auf einem Isländer gesessen hat. Beim Tölt handelt es sich um eine besondere Gangart, die Fußfolge ist dem Schritt jedoch gleich: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts, immer ein Bein am Boden. Das macht den Tölt zu einer sehr angenehmen, rückenschonenden Gangart, die sich leicht sitzen und auch über lange Strecken aushalten lässt.

Warum manche Pferderassen den Tölt beherrschen, und manche nicht, lässt sich mithilfe der Genetik erklären: Es wird vermutet, dass die Veranlagung kurz nach der Domestizierung des Pferdes (3000-4000 n. Chr.) passiert sein muss. Im Mittelalter wurden bequeme Reitpferde, sogenannte Zelter, sehr geschätzt, und der Tölt war verbreiteter. Mit Aufkommen der ersten Kutschen verschwand der Tölt allerdings wieder aus dem Gangbild der Pferde, da Kutsch- und Reitpferde bevorzugt wurden und bequemes Reiten überflüssig wurde. Den Isländer findet man in allen möglichen Farbvariationen, vom Schecken über Rappen, Schimmel, Falben und allen möglichen Kombinationen und “Sondervarianten”. Mit einer Schulterhöhe zwischen 135-145cm zählt er zu den Kleinpferden, wird daher auch umgangssprachlich “Islandpony” genannt. Das Islandpferd ist ausgesprochen trittsicher, mutig und robust, da es ein sehr dichtes Winterfell entwickelt, um in seiner isländischen Heimat gut durch den Winter zu kommen. Das Einsatzgebiet findet sich im Freizeit- und Sportbereich (Gangpferde-Reiten), mit Wettbewerben in den Spezialgangarten Pass, Rennpass und Tölt, sowie manchmal auch der Gaited Working Equitation. Kreuzungen mit anderen Rassen sind nicht erwünscht, vor allem nicht in Island selbst. Die Insel hat seit über 800 Jahren ein gesetzliches Verbot für Importpferde. Der Grund dafür ist, dass die Islandpferde in Island nicht gegen gängige Pferdekrankheiten geimpft werden, da es sie dort einfach nicht gibt. Das führt dazu, dass die ins Ausland verkauften Pferde ein “Rückkehr-Verbot” haben. Sprich: Ein Islandpferd, das Island einmal verlassen hat, darf nie wieder zurück. Finden internationale Wettbewerbe in Europa statt, lösen die Isländer das Problem, indem sie nie ihre besten Pferde mitnehmen. ;)

Solltest du also in Island reiten gehen wollen, solltest du bedenken, dass du manche Ausrüstungsgegenstände neu wirst kaufen müssen, um zu verhindern, dass du ungewollt Keime einschleppst. Alles, was aus Leder besteht, zumindest. Der Rest, wie Reithose, Reithelm etc. muss vor Reiseantritt gewaschen bzw. mit Jod oder anderem flüssigen Desinfektionsmittel desinfiziert werden. Reithandschuhe dürfen gar nicht eingeführt werden.

Dank ihrer Trittsicherheit und ihres ruhigen Gemütes sind Islandpferde tolle Freizeitpferde, die auch auf Wanderritten eine gute Figur machen.



American Quarterhorse Association (AQHA)

Krischke, Christin: Du entscheidest-Reiten mit Gutem Gewissen, Kapitel 14-16, Cadmos Verlag, 2015.

Millan-Ruíz, Brigitte: Doma Vaquera - Schritt für Schritt zur spanischen Arbeitsreitweise, Cadmos Verlag, 2015.

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